Antizyklisch oder auch Gegengleich

 

Antizyklisch arbeiten


 

 

In den letzten Wochen haben viele von uns über die Hitze gestöhnt. Es hat fast nicht geregnet und jeder Tag war wie geschaffen dafür ins Freibad oder an einen See zu gehen. Die Wohnungen und Häuser haben sich aufgeheizt und für manchen wurde sogar das Schlafen mühsam. 

 

Am Samstag wurde klar, dass der Sonntag möglicherweise nicht ganz so schön sein wird. Ja, im Wetterbericht in Radio und Fernsehen wurde gesagt, dass es "nicht ganz so schön" sein wird. 

 

Wie bitte nicht ganz so schön. Noch vor wenigen Stunden jammerten die Typen in Radio und Fernsehen, dass es viiiieeeeel zu heiß ist und jetzt sagen die, dass es "NICHT SOOOO SCHÖN" sein wird. 

 

Nicht so schön - für wen?

 

Weil es wenig geregnet hat, vertrockneten, die Wiesen in den Gärten, oder wurden mit Trinkwasser gegossen. Die Klimaanlagen in den Büros und Privatwohnungen liefen auf Hochtouren. In Teilen Europas wüteten Waldbrände und auch bei uns stieg die Waldbrandgefahr an. Bauern mussten ihre Felder bewässern, weil sonst die Frucht auf den Feldern drohte zu vertrocknen. 

 

Mir fallen einige Leute ein, die sich über den Regen freuten: 

Menschen mit schwachen Kreislauf;  Bauern, die ihre Felder wenigstens an einem Tag nicht bewässern mussten; Fischer, weil die Fische an Regentagen besser beißen; Hobbygärtner, weil das Gemüse besser wächst; Gartenbesitzer, weil der Rasen wieder wächst; Kinder, die gerne in Regenlacken (Pfützen für alle Nichtösterreicher) spielen; usw. 

 

Dieses Phänomen gibt es auch in der Wirtschaft. Es gibt Zeiten wo es einfach rennt, wir bekommen einen Auftrag nach dem anderen herein. Wir haben keine Zeit für Buchhaltung, Freizeit, Entwicklung neuer Ideen, Akquise und Training. Zu dieser Zeit denken wir: "Wenn es wieder ruhiger wird, dann nehme ich mir Zeit für Buchhaltung, Freizeit, Entwicklung neuer Ideen, Akquise und Training!"

 

Dann wird es ruhiger und wir werden nervös, weil die Aufträge nicht mehr so hereinkommen. Wir arbeiten alle alten Aufträge ab. Dann bemerken wir, dass wir zu wenig Arbeit haben. Wir stürzen uns voll in die Akquise. Weil zu wenig Geld in die Kassa kommt, werden vielleicht sogar Mitarbeiter gekündigt. Wir haben keine Zeit für Buchhaltung, Freizeit, Entwicklung neuer Ideen und Training. 

 

Wir bemerken, dass die Konkurrenz schon wieder mehr Aufträge hat. Da uns das nicht so wirklich gefällt, schauen wir auf den Mitbewerb oder den Marktbegleiter (darüber habe ich übrigens auch einen Blog geschrieben), denen es so geht wie uns. "Die Zeiten sind derzeit wirklich schlecht!" jammern wir uns gegenseitig an. 

 

Irgendwann bekommen auch wir wieder Aufträge und können einige nicht annehmen, wir haben zu wenig Personal und das hat nicht das nötige Know How für diese neuartigen Kundenwünsche. Wir müssen uns dieses Know How aneignen. Gerade jetzt, jetzt wo die Aufträge wieder anziehen würden. Wir haben keine Zeit für Buchhaltung, Freizeit, Entwicklung neuer Ideen, Akquise und Auftragsbearbeitung. Wir müssen gerade jetzt in Trainings.

 

So werden wir immer mehr zum Spielball des Marktes und werden herumgeschubst. 

 

Schauen wir einmal auf die Konkurrenz, die wir vorher nicht betrachten wollten:

Die hatten immer Zeit für Buchhaltung, Controlling und Marktbeobachtung. Sie erkannten schon bald einen neuen Trend. 

Die hatten immer Zeit für Freizeit. Dazu bekamen sie die Birne frei und waren entspannt und offen für neue Ideen. 

Die hatten immer Zeit für die Weiter-Entwicklung dieser neuen Ideen.

Die hatten immer Zeit für Akquise. Die waren sich immer bewusst, dass es einige Zeit dauert bis Aufträge erteilt werden. Die hatten immer Zeit, dass sie am Kunden dran geblieben sind. 

Die hatten immer Zeit, dass alle Mitarbeiter bis in die Chefetage an Trainings und Schulungen Teilnehmen. Damit waren auch alle immer am Puls der Zeit. 

 

So was hat das jetzt mit dem Wetter zu tun?

 

Mein Sohn ist am 22. Dezember geboren. Er wollte einmal zum Geburtstagsfest mit seinen Freunden im Sommer schwimmen gehen. Deshalb verlegten wir diese Feier auf vergangenen Sonntag. Der Samstag war heiß und es bestand die Möglichkeit, dass der Sonntag verregnet wurde. Einer seiner Kumpels sagte ab, weil "Unwettergefahr" bestand. 

 

Meine Frau jammerte nicht und ließ es auch bei meinem Sohn nicht zu. Sie organisierte drei Autos mit denen die ganze Partie in ein Erlebnisbad in der nächsten Stadt chauffiert wurde. Am Abend dieses Tages hagelte es SMS und WhatAPP bei meinem Sohn und meiner Frau mit Dankesschreiben, und dass es tolles Fest war. 

 

Der eine Kumpel, der nicht kam, hat dieses tolle Fest versäumt - wegen dem Unwetter, das dann doch nur Regen war. 

 

 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß wenn Sie gegengleich arbeiten, andere den Kopf über Sie schütteln und Sie dann erfolgreicher sind als die Jammeranten. 

 

Wolfgang Scherleitner

 

 

P.S.: Weil Euch wahrscheinlich schon wieder heiß ist, habe ich Euch ein Foto von meinem letzten Schiurlaub angehängt.

  

 

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