Storytelling - Gschichtldrucken oder Metaphernarbeit?

  

Mit Metaphern bekommst du das Publikum aus dem Suppenkoma!

 

 

 

 


Nachdem der Vortragende vorgestellt und betont wurde wie sehr sich die Veranstalter freuen, genau diesen, hochverdienten Vortragenden für genau diesen Vortrag gewonnen zu haben, beginnt der Vortrag:

 

„Meine sehr verehrten Damen und Herren. Sehr geehrte Ehrengäste, geehrte Vorsitzende. Vielen Dank für die netten einleitenden Worte. Es freut mich sehr und es ist mir eine große Ehre heute hier vor Ihnen stehen zu dürfen. Ich finde es besonders nett gerade hier……. Da fällt mir eine Geschichte ein: Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Einfall und Durchfall? …….. Ich möchte heute über …… reden?“  

 

Gut gemeint und leider doch daneben.

Storytelling ist ein Instrument, um die Botschaft des Vortrages in der Erinnerung des Publikums zu verankern.

 

Storytelling im Vortrag ist kein Zeitschinden, kein Heucheln von Bescheidenheit, kein Austausch von mehr oder weniger notwendigen Freundlichkeiten und kein Gschichtldruckn. Storytelling, mir gefällt der Ausdruck „Metaphernarbeit“ besser, ist ein Instrument in Vorträgen, bei dem es gelingt die Botschaft fest in den Köpfen des Publikums zu verankern.

 

Richtig eingesetzt macht man sich dabei den „Zeigarnikeffekt“ zu Nutze. 1927 entdeckte Bljuma Wulfowna Zeigarnik an der Universität Berlin dieses Phänomen. Die russische Psychologin stellte fest, dass sich Menschen nicht abgeschlossene Aufgabe besser merken als abgeschlossene.

 

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Mir gefällt der Ausdruck „Metaphernarbeit“ deshalb besser, weil es genau das ist. Es ist eine Arbeit mit Metaphern. Dazu kommt noch der Spaß bei der Sache. Hat das Publikum Spaß mir zu lauschen, dann wird es auch bereitwilliger meine Botschaft aufnehmen.

 

OK, nun kennst du das aus unzähligen Vorträgen so, dass die Menschen, die sich da vorne am Rednerpult festhalten, ernst drein schauen und Wissenschaftliches wichtig erzählen. Wie geht es dir da im Suppenkoma, also nach der Mittagspause?

 

Ich gestehe es: Sehr oft geht meine gesamte Konzentration für meine Atmung drauf. Ich muss mich derart auf meine Atmung konzentrieren, dass ich nicht zu laut einschlafe. Vor lauter Konzentration auf meine Atmung bekomme ich nichts mehr von den wichtigen Tabellen, Grafiken und Ergebnissen mit.

 

Stell dir vor: Du sitzt im Vortrag, auch nach dem Mittagessen – ohne Kaffee und der Vortrag beginnt mit einer lustigen Metapher. Während Ergebnisse präsentiert werden, weist der Vortragende immer wieder auf den Zusammenhang, wenn geht unterschwellig, mit der Eingangsgeschichte hin. Wirst du einschlafen?

 

Wahrscheinlich nicht.

 

Wirst du dir mehr merken, wenn du mehr Sauerstoff im Blut hast, weil du gerade gelacht hast? 

 

Wahrscheinlich schon.

 

Der Unterschied zwischen Gschichtldruckn und Metaphernarbeit ist der, dass du die Metaphern genau ausgewählt hast und in den Vortrag immer wieder einbaust.

 

Ich wünsche dir viel Freude mit deinen Metaphern!

Wolfgang

 

An´s no: Schließe die Metapher am Ende des Vortrages wieder ab.

 

Und no an´s: Wenn du oft Vorträge hältst, notiere dir Ideen für Metaphern entweder schriftlich oder auf dem Smartphone als Sprachnotiz, dann hast du immer welche zur Hand, falls die Muse einmal auf sich warten lässt.

 


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