Baustelle

Variieren können

Selig sind die, die nur eine Handlungsmöglichkeit haben!

 

…… denn sie glauben, sie wüssten alles!

Letzte Woche hatte ich ein Telefonat mit einem Coach für Coaches, der Coaches weiterbringen will. Er präsentierte mir über eine Stunde lang, was wir gemeinsam machen sollten, damit ich sechs- bis siebenstellige Umsätze schon 2018 einfahren würde.

Ich gestehe hier und jetzt – es klang echt gut und verführerisch. Der Typ ist jung und dynamisch. Ich hatte echt das Gefühl, der weiß wovon er redet, bis…..

….. ja, bis ich auf die verschiedenen Menschentypen zu sprechen kam. Der, der mit mir sprach war die Vertretung, der Vertretung des Chefs und der sagte so ca.: „Ja, das haben wir auch einmal gemacht, das hat aber nichts gebracht, weil, dann haben wir uns zu viel auf den Typen konzentriert!“

Zu viel auf den Typen konzentriert?

Wie kann man sich zu viel auf den Typen konzentrieren? Kann ich mich zu viel auf mein Gegenüber, meine Kunden konzentrieren? Die, die mir schon ein wenig folgen wissen, dass ich der Meinung bin, dass jeder Kunde und jede Kundin ein Recht auf den eigenen Verkaufsstil hat. Auf einen Verkaufsstil, der dem Kunden als Mensch entspricht. So wie sich dieser Mensch im laufe seines Lebens entwickelt hat.

Ich möchte dem Menschen etwas verkaufen, deshalb muss ich mich auf diesen Menschen einstellen!

Dass der Coach für Coaches nicht bereit war sich auf mich als seinen möglichen zukünftigen Kunden einzustellen, habe ich dann bald bemerkt. Er wollte unter Druck verkaufen. Unter Druck verkaufen, ohne, dass sich in den kommenden zwei Wochen ein Storno oder Kaufreue einstellt geht nur bei einer Personengruppe.

Zu dieser Personengruppe gehöre ich nicht. Ich habe mir ein genaues Procedere für Entscheidungen zugelegt. Dieses Procedere halte ich ein. Das habe ich erklärt und ihm vorgeschlagen, dass wir uns in drei Tagen wieder hören, dann bekommt er meine Entscheidung.

Seine Antwort: „Weißt Du warum Du Dich nicht entscheiden kannst? Du bist ein schlechter Verkäufer!“

Ich sag´s Euch es schaut echt lustig aus, wenn der Zeigefinger beim Skypen dick und fett auf Dich zeigt. Dann kannst Du das Gesicht Deines Gegenübers nicht mehr sehen.

Vielleicht hat er recht!

Nach dem Gespräch habe ich mich dann in meine Laufsachen geschmissen und bin Laufen gegangen. Während der ersten halben Stunde habe ich darüber nachgedacht, dass er ja vielleicht recht hat. Vielleicht bin ich wirklich ein schlechter Verkäufer. Bis…..

…. bis ich während des Laufens schallend zu lachen begann. Es war ein befreiendes Lachen. Ich habe erkannt, dass ich mich in die Enge treiben habe lassen. Ich erkannte, dass ich an meinen eigenen Prinzipien gezweifelt habe. Ich habe erkannt, dass dieses Gespräch für mich wertvoll war. Es war die Bestätigung für meine Einstellung:

Jede Kundin und jeder Kunde hat ein Anrecht auf den eigenen Verkaufsstil!

Immer wieder gibt es Verkaufstrainer, die den einen und nur den einen Verkaufsstil unterrichten. Meist ist es der Stil: „Entscheide Dich jetzt und nur jetzt!“

Das hat nur einen Nachteil: Du brauchst viele Menschen, die an Deinem Produkt interessiert sind.

Was ist, wenn Dein Markt aber sehr begrenzt ist?

Dann hast Du bald verbrannte Erde! Dann musst Du die Branche wechseln!

Einfacher ist, Du passt Deinen Verkaufsstil Deinen Kunden an!

Es gibt sie, die schnell und unter Druck entscheiden. Die haben ihre Entscheidung schon lange getroffen, bevor Du das überhaupt ansprichst.

Dann gibt es die – so wie mich – die horchen sich alles an, denken darüber nach, holen sich vielleicht noch Infos ein und entscheiden innerhalb von einigen Tagen.

Dann gibt es die, die nach außen hin schnell entscheiden, dann überlegen, ob eh alles passt. Wenn alles passt, dann ist es gut, passt es nicht, dann treten sie von Kauf zurück.

Dann gibt es die, die schon entschieden haben es nicht zu kaufen und Dir sagen, dass sie noch ein wenig darüber nachdenken wollen.

Und dann gibt es die, die einmal schnell und einmal langsam entscheiden.

Es liegt an Dir, was Du daraus machst.

So, jetzt hast Du ein Problem:

Du weißt jetzt darüber Bescheid, dass es mehrere Möglichkeiten gibt. Du weißt, dass Du aufmerksam sein musst. Du weißt, dass Du, wenn Du richtig handeln möchtest über einiges nachdenken musst.

Deshalb habe ich oben geschrieben: Selig sind die, die nur eine Handlungsmöglichkeit haben!

Die, die nur eine Handlungsmöglichkeit haben, sehen den Fehler immer bei den Anderen. Die entscheiden sich nicht richtig, die haben nicht die richtige Entscheidungsstrategie.

 

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Erkennen von Entscheidungsstrategien und viel Freude bei langfristigen Kundenbeziehungen!

Wolfgang Scherleitner

 

 

Ahjo: Was hat das jetzt mit dem Variieren können zu tun?

Wenn Du variieren kannst, wirst Du keine verbrannte Erde hinterlassen, Du kannst bei fast allen immer wieder mit neuen Ideen aufschlagen. Du wirst gerne gesehen werden und Dein Gegenüber wird Dir zuhören.

 

Auf Dauer sind die selig, die variieren können!

 

Figur bei Zotter

Immer diese Entscheidungen!

Täglich treffen wir mehrere tausend Entscheidungen: Ob wir den Wecker abdrehen und aufstehen, oder noch ein wenig schlummern möchten, was wir zum Frühstück essen, welche Kleidung wir tragen, welchen Weg wir nehmen, ob wir hier oder dort über die Straße gehen usw.

Wir sollten also glauben, dass wir im Entscheidungentreffen trainiert sind. Stehen, aber wichtige Entscheidungen an, dann ist das schon nicht mehr so einfach. Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Dabei wäre es auch hier so einfach wie in den oben beschriebenen Beispielen. Was uns fehlt ist die Übung bei dieser Art von Entscheidungen.

Es gibt drei Arten von Entscheidungen:

  1. Die richtige Entscheidung
  2. Die falsche Entscheidung und
  3. Keine Entscheidung

Die schlechteste Variante ist die dritte. Bei der ersten Variante bekomme ich Feedback und hab auch noch die richtige Entscheidung getroffen. Bei der zweiten hab ich zwar die falsche Entscheidung getroffen, ich bekomme aber Feedback und weiß was falsch ist. Bei der dritten weiß ich gar nix und bin kein Stückerl gescheiter geworden. Es wird aber trotzdem etwas passieren, nur habe ich keinen Einfluss darauf.

Wir treffen Entscheidungen ohnehin immer aus dem Bauch heraus.

Gut beraten – von sich selbst beraten – ist man, wenn man so viele Informationen wie möglich einholt. Dann distanzieren Sie sich von dem Problem und entscheiden aus dem Bauch heraus. Vertrauen Sie darauf, was Sie schon können und wissen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß im Neuen Jahr und bei Ihren Entscheidungen!

Wolfgang Scherleitner

 

An´s no: Ich habe mit mir etwas ausgemacht: Wenn ich die vermeintlich falsche Entscheidung getroffen habe, dann gehe ich steif und fest davon aus, dass die andere Entscheidungsmöglichkeit einfach noch nicht dran war und ich noch lernen musste.

 

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